Das Polnische Institut Wien zu Gast bei Freunden #4:

Dr. Erhard Busek
Vizekanzler a.D., Bundesminister für Wissenschaft und Unterricht a.D., Vorsitzender des IDM und ausgewiesener Kenner des Wandels im Mittel- und Osteuropa


Herr Dr. Busek, das Polnische Institut Wien hatte die Ehre, Sie bei einigen seiner Veranstaltungen als Gast oder Podiumsteilnehmer begrüßen zu dürfen. Welches Projekt ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?


Besonders erinnere ich mich an die Veranstaltung, die sich mit der Erinnerung an Solidarność beschäftigte. Hier gab es die Möglichkeit, die Aktivitäten, die in Wien und Österreich stattfanden, nochmals zu betrachten und klar zu machen, dass auch in Österreich das Geschehen rund um Solidarność und das Kriegsrecht eine große Wirklichkeit hatte. Es ist mir sehr wichtig, das zu unterstreichen, wenngleich ich mich auch an andere Veranstaltungen erinnern kann.
 
Beide Länder, Österreich und Polen, gehören zu jener Region, mit welcher sich das Institut für den Donauraum und Mitteleuropa beschäftigt. Worin besteht Ihrer Meinung nach die wichtigste Gemeinsamkeit, welche die Länder dieser Region verbindet?

Die größte Gemeinsamkeit der Länder dieser Region besteht ganz entschieden in der Kultur. Hier ist das Gemeinsame dominierend, wobei die Unterschiede ja auch dazu beitragen, dass es mehr Farbe in der Region selber gibt. Zur weiteren Gemeinsamkeit gehört auch die Geschichte mit all ihren Schwierigkeiten und Belastungen, aber diese sind auch wichtig, um die gemeinsame Zukunft Europas darzustellen.
 
In Ihrem Buch „Lebensbilder“ haben Sie eine Auswahl an politischen und persönlichen Erinnerungen festgehalten. Kommt Polen darin vor?

In meinem Buch „Lebensbilder“ habe ich meine Rolle gegenüber den Veränderungen in  Mittel- und Osteuropa beschrieben. Hier ging es  vor allem um jene, die als Dissidenten dazu beigetragen haben, dass wir heute überhaupt über Europa reden können. Mehr Raum habe ich einzelnen Persönlichkeiten in meinem Buch „Mitteleuropa – eine Spurensicherung“ gegeben. Hier habe ich mich besonders mit einzelnen Polen auseinandergesetzt, die eine entscheidende Rolle gespielt haben, nämlich Johannes Paul II, Władyslaw Bartoszewski, Tadeusz Mazowiecki, Lech Wałęsa, Józef Tischner und Leszek Kołakowski.
 
Welches Projekt darf, Ihrer Meinung nach, im zukünftigen Programm des Polnischen Instituts Wien auf keinen Fall fehlen?

Heute ist es von entscheidender Bedeutung, ein Verständnis für die Geschehnisse im Osten Europas zu haben. Polens Rolle gegenüber Russland und Ukraine bei allen Unterschiedlichkeiten und Schwierigkeiten ist von großer Bedeutung. Es ist wichtig, mehr Verständnis für diese europäische Herausforderung zu erzielen. Das darf im Programm des Polnischen Instituts keineswegs fehlen – im Gegenteil. Ich erwarte mir hier sogar eine führende Rolle.

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