Das Polnische Institut Wien zu Gast bei Freunden #2

Magdalena Żelasko

LET’S CEE Film Festival 


Frau Żelasko, Sie sind in Kraków, in Polen geboren, wohnen aber bereits seit 19 Jahren in Österreich. Welche Fragen stellt man Ihnen in Polen zu Leben und Kultur in Österreich am häufigsten, welche in Österreich zu Polen?

Meine polnischen Freunde und Bekannte wollen etwa wissen, wie man an Karten für das Neujahrskonzert oder für den Opernball kommt oder wie die Österreicher ihren Kaffee trinken, denn „kawa po wiedeńsku“, sprich ein Kaffee nach wienerischer Art, steht in meiner Heimat für Kaffeegenuss schlechthin. Österreicher erkundigen sich wiederum, was man in Krakau oder in anderen polnischen Städten unbedingt sehen muss oder wie man „czerwony barszcz“, die schmackhafte polnische Rote-Rüben-Suppe, zu Hause nachkocht. Etwas hat sich aber mit der Zeit geändert. Früher hörte ich oft: „Ich muss unbedingt einmal Krakau besuchen!“, jetzt fangen die Gespräche immer öfter an mit: „Als ich das letzte Mal in Krakau war…“. Das gilt umgekehrt freilich genauso, Wien steht bei polnischen Touristen als beliebtes Ausflugsziel ja ganz oben.

Welche drei polnischen Filme muss Ihrer Meinung nach jeder Österreicher unbedingt gesehen haben? Welche drei österreichischen Filme dürften in keiner Sammlung polnischer Filmliebhaber fehlen?


Das ist schwierig zu beantworten, es gibt so viele gute Filme, da wie dort! Ich antworte also ganz spontan. Zu den bedeutendsten und wichtigsten österreichischen Filmen der letzten Jahre gehört für mich die Oscar-prämierte Produktion „Die Fälscher“ von Stefan Ruzowitzky mit Karl Markovics in der Hauptrolle. Eine der ausgezeichneten österreichischen Dokumentationen sollte man wohl ebenfalls gesehen haben, zum Beispiel „We Feed the World“ von Erwin Wagenhofer. Die oft fatalen Folgen der Globalisierung werden hier dermaßen schonungslos dargestellt, dass einem nicht selten das Essen im Hals stecken bleibt. Zu guter Letzt würde ich noch „Nordrand“ von Barbara Albert empfehlen. Der international mehrfach ausgezeichnete Film markiert nicht nur einen wichtigen Wendepunkt in der österreichischen Filmgeschichte, sondern schildert auf eine sehr emotionale Art das Leben in Wien im Jahr 1995, in dem auch ich hierher kam. Bei den polnischen Filmen fasse ich mich lieber ganz kurz, sonst ist die Gefahr zu groß, dass unser Gespräch endlos wird. Drei Filme –  da fällt mir zu allererst natürlich die Trilogie „Drei Farben“ von Krzysztof Kieślowski ein, mit Juliette Binoche, Julie Delpy und Irène Jacob in den Hauptrollen. Wieso dieses Werk  bis heute einzigartige künstlerische Maßstäbe setzt, erfährt man im Oktober im Rahmen des LET’S CEE Film Festivals, wir widmen ihm heuer nämlich eine Retrospektive.

Können Sie uns sonst noch etwas verraten über die kommende Ausgabe? Welche Filmschaffenden werden Workshops leiten? Welche Filme aus Polen werden zu sehen sein?


2014 ist ein ganz besonders wichtiges Jahr ist. Wir befinden uns 100 Jahre nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs, 75 Jahre nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, 25 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs und 10 Jahre nach der EU-Osterweiterung. Alle vier Jahrestage stehen in engem Bezug zu Zentral- und Osteuropa und werden von uns im Rahmen unseres Festivals heuer entsprechend thematisiert. Am genauen Programm arbeiten wir allerdings noch. Fest steht jetzt schon: Auch heuer schickt die Wajda Schule einige ihrer internationalen Vortragenden nach Wien und unser Festival-Kurator Tomasz Raczek wird, so wie bereits im Vorjahr, eine Auswahl der besten aktuellen polnischen Produktionen persönlich in Wien präsentieren. Darunter wird, um nur ein Beispiel zu nennen, auch „Papusza“ von Krzysztof Krauze sein, eine wahre Geschichte einer ungewöhnlichen Roma-Dichterin.

Das Polnische Institut Wien unterstützt das LET‘S CEE Filmfestival, das zu den shooting stars der österreichischen Festivalszene gehört. Wie entstand die Idee, ein Filmfestival zu organisieren, dass sich auf das Filmschaffen der Region Zentral- und Osteuropas konzentriert? Gerade im Hinblick darauf, dass es in Österreich bereits einige Filmfestivals gibt?


Es gibt sogar über zwei Dutzend Festivals in Österreich, aber die Region Zentral- und Osteuropa steht nur bei uns im Mittelpunkt. Dabei ist Österreich im Allgemeinen und Wien im Speziellen auf mannigfache Weise mit den Ländern Zentral- und Osteuropas verbunden, historisch ebenso wie kulturell und wirtschaftlich. Ein Festival wie unseres war somit nur eine Frage der Zeit und längst überfällig. Was die Kooperation mit dem Polnischen Institut Wien anbelangt, so kann ich diese Zusammenarbeit, die seit der ersten Festivalstunde andauert, nur in höchsten Tönen loben. Man hat das Gefühl, dass LET’S CEE auch für Sie eine Herzensangelegenheit ist. Dass unser Festival bisher von den zuständigen Kulturabteilungen der Stadt Wien und des BMUKK mit keinem Cent bedacht wurde, bereitet mir dagegen zunehmend Sorgen und ich hoffe, dass sich diese Einstellung bald ändert. Dies wäre nicht nur für das Festival-Team, sondern auch für unser Publikum wichtig und anerkennend. Gemeinsam stehen wir für das, was Wien so besonders und lebenswert macht, nämlich die kulturelle und sprachliche Vielfalt und das enorme Potenzial eines interkulturellen Miteinanders.

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