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Das Nationalinstitut Ossolineum – 200 Jahre im Dienste der polnischen Wissenschaft und Kultur
06.03.2018 Polnisches Institut Wien

Am Dienstag, den 6. März lud das Polnische Institut in Zusammenarbeit mit dem Wissenschaftlichen Zentrum der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Wien zu einer Veranstaltung ein, die einer für die polnische Kultur und Wissenschaft besonders verdienstvollen Einrichtung gewidmet war – dem Nationalinstitut Ossolineum.

Nach einleitenden Worten der Direktoren beider Veranstalter, Mag. Rafał Sobczak und Prof. Dr. Bogusław Dybaś ergriff Małgorzata Orzeł, Kustodin des Pan-Tadeusz-Museums in Breslau, welches dem Nationalinstitut Ossolineum angehört, das Wort und führte das Publikum in die an diesem Abend zu eröffnende Jubiläumsausstellung „200 Jahre Ossolineum. Litteris et Artibus. Das Nationalinstitut Ossolineum (1817–2017)“ ein. Nach der Erinnerung an die erste Ausstellung über das Ossolineum, die 2009 in den Räumen der Österreichischen Nationalbibliothek gezeigt wurde, erzählte Małgorzata Orzeł von den Feierlichkeiten anlässlich des 200-Jahre-Jubiläums des Nationalinstituts Ossolineum, die 2017 unter der Schirmherrschaft des Präsidenten der Republik Polen, Dr. Andrzej Duda stattfanden. Eine dauerhafte Spur dieser Feierlichkeiten stellen zweifelsohne die Jubiläumspublikationen, unter anderem das große „Buch der Spender des Nationalinstituts Ossolineum“ unter der Redaktion von Marta Pękalska, dar.

Nach der offiziellen Eröffnung der Ausstellung wurde dem Publikum die Möglichkeit geboten, den Vortrag „Ein Erinnerungsort stiftet Identität. Das Ossolineum in Wrocław nach 1945“ von Univ.-Prof. Dr. Elżbieta Dzikowska (Universität Łódź) zu hören. In ihrer facettenreichen Präsentation legte Univ.-Prof. Dr. Dzikowska, langjähriges Mitglied sowie stellvertretende Vorsitzende des Wissenschaftlichen Rates des Nationalinstituts Ossolineum, den Schwerpunkt auf den aktuellen Sitz der Einrichtung – die Stadt Breslau – und zwar unter dem Gesichtspunkt der nationalen und kulturellen Identität, indem sie u. a. an den polnischen Mathematiker jüdischer Abstammung, Prof. Dr. Hugo Steinhaus, sowie an den deutschen Philosophen, Günther Anders, erinnerte.

An dem Abend nahmen Vertreter jener Familien teil, die zu den Spendern des Ossolineum zählen, u. a. die Familien Ledóchowski und Forst de Battaglia.

Es ist besonders wichtig zu erwähnen, dass das Wissenschaftliche Zentrum der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Wien mit dem Ossolineum durch einen Teil seiner Bibliotheksbestände, die sogenannte Sammlung „Otto Forst de Battaglia“, verbunden ist, die sich formal im Eigentum des Ossolineum befindet. Heute ist auch Herr Botschafter Jakub Forst-Battaglia mit uns, der Enkel des Gelehrten Otto Forst de Battaglia, seinerseits selbst Historiker, Diplomat und Polenfreund. Ihn möchte ich an dieser Stelle herzlich willkommen heißen – sagte Mag. Rafał Sobczak, Direktor des Polnischen Instituts Wien, in seiner Begrüßungsrede.

Gestern haben wir einen wichtigen Todestag begangen. Am 5. März 2017 starb eine große Persönlichkeit, der in Wien lebende Pole Herr Mieczysław Graf Ledóchowski. Er stammte aus einer Familie, die – nach den Aufzeichnungen der Stiftung – der Wirtschaftskurator des Nationalinstituts Ossolineum war. Er wurde 1935, nach dem Tod seines Großvaters, zum Kurator ernannt. Graf Ledóchowski war der letzte Kurator des Ossolineum, der in Lemberg vereidigt wurde. Ich begrüße sehr herzlich Herrn Włodzimierz Ledóchowski mit seiner Ehefrau, die bei der heutigen Veranstaltung anwesend sind – setzte Direktor Sobczak fort.

Das Nationalinstitut Ossolineum wurde aufgrund eines Beschlusses von Kaiser Franz I. 1817 in Wien gegründet. Es befand sich zunächst in Lemberg und seit 1945 hat es in Wrocław seinen Sitz. Das Ossolineum wurde vom Präfekten der Kaiserlichen Hofbibliothek in Wien, Joseph Maximilian Ossoliński, gegründet. Es gilt heute als Beispiel für eine wissenschaftliche Institution, die sich für internationale Kooperationen einsetzt und diese stetig ausbaut, etwa mit der Stefanyk-Bibliothek in Lemberg, wo sich heute ein Teil der einstigen Sammlungen des Ossolineum befindet.